Pressespiegel und Resonanzen
Appetithappen für Leseohren
Nicht nur in der Bibliothek werden Kinder aller Altersstufen bei verschiedenen Veranstaltungen ans Lesen herangeführt. Das Wissen kommt in Bücherkisten auch in Schule und Kindergärten. Ein Jahresrückblick.
Eine wohltuende, irgendwie konzentrierte Stille, so wie sie nur da vorkommt, wo viele Bücher sind, herrscht im weitläufigen Bibliothekssaal. Kindergartenkinder stehen im Kreis, die Augen gerichtet auf Angela Rambow. Hände kitzeln: das erhöht die Konzentration!, Leseohren spitzen – Aufwärmung für jede Kinderveranstaltung zur Lese- und Sprachförderung.
Die Vorschulgruppe der DRK-Kita zählt zu den Stammgästen hier. Meine Familie und ich lautet das Thema, das Erzieherin Karin Fleischer seit längerem behandelt. Eine Bücherkiste aus der Bibliothek half ihr bereits in der Kita dabei, den Kindern neue Blickwinkel auf Familie zu eröffnen. Um das Verhältnis zwischen Geschwistern geht es nun heute hier: Wen habt ihr am liebsten? fragen die Bärenkinder ihre Eltern in dem Bilderbuch, das Bibliotheksleiterin Rambow vorliest und mit den Kindern bespricht. Eifersucht ist gerade für Geschwisterkinder ein wichtiges Thema, erklärt sie: die Aufmerksamkeit spiegelt es wider. Tatsächlich, die Kinder lauschen, überlegen, ob wohl Eltern Kinder gleich doll lieb haben können. Diese Erfahrungen nutzend, stellte die Bibliothek allein für Kindergarten und Vorschule Bücherkisten zu 24 Themenkreisen zusammen. Von All bis Zirkus fächert sich die Auswahl, Indianer stecken in der Kiste, Berufe oder Gefühle. Mit einer 10 Euro-Jahreskarte können diese Medienboxen mit 20 bis 30 Büchern bzw. CD-ROMs ein halbes Jahr in der Einrichtung verbleiben.
Darauf kann man ganz prima aufbauen, bestätigt Karin Fleischer, die ihren Lehrplan Hand in Hand mit der Bibliotheksleitung entwirft. Es steht und fällt natürlich mit der Zusammenarbeit mit den Erziehern, erklärt Angela Rambow, die über den lebendigen Kontakt zu den Wolgaster Kitas erfreut ist. Sogar unsere Elternversammlung hatten wir hier, berichtet Erzieherin Karin Fleischer. Alle Kitas nehmen die Angebote des Lese- und Sprachförderprogramms in Anspruch, einige sehr regelmäßig: 68 Veranstaltungen mit 1000 Kindern (trotz Sommerpause) gab es im ersten Jahr des neuen Hauses.
Durch diesen engen Kontakt erreichen wir auch Kinder aus sozialen Brennpunkten. Aber auch andere kommen nachmittags oft mit den Eltern wieder, erläutert die Leiterin den Effekt. Kontinuität erreichen, Leser gewinnen ist das Ziel. Nicht nur den Kleinsten bietet die Bibliothek Veranstaltungen, sondern auch Grundschulen. 24 mal Programm gab es, 400 Kinder bis zur 5. Klasse waren Gast. Auf spielerische Art bieten diese Stunden Einblick in die 40000 Bände: Wo finde ich ein Buch?. Größeren Klassen bietet die Bibliothek Recherchetraining, das beispielsweise vom Runge-Gymnasium gern in Anspruch genommen wird. Auch Schulen können sich Medienboxen erstellen lassen oder aus den 21 bereits vorhandenen Themen wie Aufklärung oder Ernährung wählen. Die Angebote richten sich keineswegs nur an Wolgaster, natürlich laden wir auch alle Kitas und Schulen der Umgebung herzlich ein!, betont Angela Rambow. Auch Tagesmütter ermuntert sie.
Die DRK-Kita-Kinder machen es sich unterdessen in der gemütlichen Kinderecke bequem, jeder Kopf in einem Buch. Zum jetzt anlaufenden Programm Der kleine Weihnachtsmann geht in die Stadt sind auch sie, wie alle Kinder, wieder herzlich eingeladen.
Ostsee-Zeitung, 05.12.2007, Christine Senkbeil

